Kairo
 

1883 reiste der Kölner Bankierssohn Max von Oppenheim (1860-1946) zum ersten Mal in den Vorderen Orient. Seine frühe Begeisterung für die arabische Welt sollte sein Leben nachhaltig prägen: Den vorgezeichneten Weg innerhalb der väterlichen Bank (1789 von Salomon Oppenheim begründet) schlug er zugunsten einer diplomatischen Laufbahn aus, die ihn 1896 an das deutsche Generalkonsulat in Kairo führte. Von der Nilmetropole aus unternahm er verschiedene Forschungs- und Erkundungsreisen. Auf einer dieser Expeditionen 1899 entdeckte er in der Nähe von Ras el Ain, im nördlichen Syrien, den Tell Halaf, wo er eine Probegrabung durchführen ließ. Die dabei freigelegten Steinbilder waren so verheißungsvoll, dass er seine Weiterreise in Konstantinopel unterbrach, um sich die Ruinenstätte für spätere Ausgrabungen reservieren zu lassen.

 
Grabungshaus
 

Zehn Jahre nach der Entdeckung des Hügels drängte die osmanische Regierung auf den baldigen Beginn der Forschungsarbeiten, da inzwischen auch von britischer und französischer Seite Interesse bekundet wurde. So reichte Max von Oppenheim im November 1910 sein Abschiedsgesuch beim Auswärtigen Amt ein, um die vor ihm liegende Aufgabe vorzubereiten. Seine Expedition sollte sich an der von Robert Koldewey in Babylon entwickelten Grabungsmethodik messen lassen können, was nicht nur die Verpflichtung erfahrener Architekten, sondern auch die Mitnahme der gesamten Ausrüstung und die langfristige Anwesenheit vor Ort bedeutete.

 
Expedition 1929
 

Für die zweijährige Hauptkampagne (1911-1913) konnte von Oppenheim unter anderem Felix Langenegger und Karl Müller gewinnen, zwei Schüler Koldeweys. Zu seinem Mitarbeiterstab gehörten auch Berufsfotografen und Sekretäre. Ein Gipsformer der Königlichen Museen zu Berlin begann 1913 vorsorglich mit der Herstellung von Formen der meisten Bildwerke für spätere Abgüsse, da die Änderung der osmanischen Antikengesetze eine offizielle Fundteilung nicht mehr erlaubte. Der Ausbruch des ersten Weltkrieges verhinderte die für 1914 geplante Fortsetzung der Arbeiten. Erst 1927 konnte von Oppenheim auf den Tell Halaf zurückkehren; die angestrebte Fundteilung musste jetzt mit der französisch-syrischen Mandatsverwaltung ausgehandelt werden. Während von Oppenheim für den syrischen Anteil ein kleines Museum in Aleppo einrichtete, war es trotz der jahrelangen Vorverhandlungen noch immer unklar, wo und wie seine für die Berliner Museen vorgesehenen Funde ausgestellt werden sollten.

 
Tell Halaf-Museum
 

Die privat finanzierten Ausgrabungen hatten umgerechnet 7-8 Millionen Euro gekostet. Die finanziellen Belastungen zwangen von Oppenheim, für seine in Aussicht gestellte Schenkung an die Königlichen Museen eine Aufwandsentschädigung einzufordern, die diese jedoch nicht leisten konnten. Als die Verhandlungen aus seiner Sicht gescheitert waren, richtete er in der ehemaligen Freund’schen Maschinenfabrik in Berlin-Charlottenburg ein privates Tell Halaf-Museum ein. Im Juli 1930 wurden seine spektakulären Funde und die monumentale Rekonstruktion der Westpalast-Fassade erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Die sehr moderne Ausstellungskonzeption, die sich erst bei näherer Betrachtung offenbart, rückte das Museum in seiner Bedeutung neben die Vorderasiatische Abteilung des Pergamonmuseums.

 
Nationalmuseum Aleppo
 

Die beiden größten Einzelsammlungen von Tell Halaf-Bildwerken sind heute in Aleppo und Berlin zu finden: Im Aleppiner Nationalmuseum mit der nachgebauten Palastfassade ist ein eigener Tell Halaf-Saal eingerichtet. Neben der weiblichen Trägerfigur vom Palastdurchgang, dem sog. Jüngeren Skorpionvogelmann und der kleineren Grabfigur sind große und kleine Orthostaten sowie einige Repliken ausgestellt. Der große Vogel vom Vorplatz des Westpalastes, 50 kleine Reliefplatten aus Basalt und Kalkstein sowie eine Kollektion von chalkolitischen und eisenzeitlichen Kleinfunden befinden sich im Vorderasiatischen Museum, Berlin. Kleine Orthostaten aus der Oppenheim-Grabung sind auch im British Museum, im Louvre, im Metropolitan Museum of Art und im Walters Art Museum ausgestellt.

 
 
 
Weiterführende Literatur

Faszination Orient. Max Freiherr von Oppenheim. Forscher • Sammler • Diplomat, hrsg. v. G. Teichmann und G. Völger im Auftrag der Max Freiherr von Oppenheim-Stiftung, Köln 2003

N. Cholidis – T. Stern, I would enjoy immensely …. Der Ausgräber Max Freiherr von Oppenheim vor der Filmkamera, UF 34 (2002) 25-38.