Rohrkeller
 

Im November 1943 wurde das Berliner Tell Halaf-Museum von einer Fliegerbombe getroffen. In den Flammen verbrannten alle Kalkstein-Orthostaten und Gipsabgüsse, während die erhitzten Bildwerke aus Basalt durch das Löschwasser zerbarsten. Von Oppenheim hielt sich zu diesem Zeitpunkt bereits in Dresden auf, wohin er drei Monate zuvor geflüchtet war. Für die Bergung der Trümmer konnte er den damaligen Direktor der Vorderasiatischen Sammlung, Walter Andrae, gewinnen. Trotz der schwierigen Umstände ließ Andrae bis August 1944 neun Treckerfuhren sicherstellen und in die Rohrkeller des Pergamonmuseums bringen. Dort ruhte das Schüttgut bis Anfang der 1990er Jahre weitgehend unbeachtet. Nach der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten ließ eine erste systematische Sichtung der Überreste 1993 erkennen, dass einzelne Denkmäler wieder herzustellen seien. 1995 wurden die Fragmente dann aus Platzgründen in ein Außendepot der Staatlichen Museen umgelagert.

   
Masterplan Museumsinsel
 

Parallel zu den Sichtungsarbeiten wurden erste Konzepte erarbeitet, in deren Mittelpunkt die zukünftige Präsentation der zu erwartenden Denkmäler stand. Die notwendige Generalsanierung der Museumsinsel bot 1999 durch den Masterplan Museumsinsel erstmals die Möglichkeit, diese mit den geplanten Baumaßnahmen zu verbinden. In einem gläsernen Querriegel, der nach dem Entwurf des Kölner Architekten O.M. Ungers Nord- und Südflügel des Pergamonmuseums miteinander verbinden soll, wird nach Abschluss der Bauarbeiten die Eingangsfassade des Westpalastes vom Tell Halaf – bestehend aus Originalen und Abgüssen – den neuen Zugang zum Vorderasiatischen Museum bilden.

   
Sortierhalle
 

Mit einer zweiten Umlagerung der Fragmente im Oktober 2001 hat das Tell Halaf-Projekt offiziell seine Arbeit aufgenommen. Während die wissenschaftliche Betreuung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft bis Januar 2007 abgesichert ist, konnte für die Restaurierung die Sal. Oppenheim-Stiftung des Bankhauses Sal. Oppenheim jr. & Cie. (Köln) gewonnen werden. Das große Interesse der Familie von Oppenheim an dem Lebenswerk Max von Oppenheims zeigt sich auch durch die Förderung der Alfred von Oppenheim-Stiftung. Das Auswärtige Amt hat Gelder für die Restaurierung der Stierfigur vom Westpalast bereitgestellt, deren Einzelteile sich im Nationalmuseum von Aleppo befanden. Im Rahmen einer deutsch-syrischen Kooperation ist die Skulptur für ein Jahr nach Berlin gekommen.

   
Palette mit Fragmenten
 

Im ersten Projektjahr mussten zunächst die restlichen Transportkisten geleert, knapp 25.000 Fragmente auf über 200 Paletten ausgelegt werden. Parallel zu den Sortierarbeiten wurden alle Bruchstücke, die sich aufgrund ihres Dekors zuordnen ließen, separiert. Im Verlauf des zweiten Jahres konnten die Suchkriterien zunehmend verfeinert werden. Jedes identifizierte Fragment wird in Umrissen auf einer Bildvorlage eingezeichnet und erhält eine Nummer. Die Kartierung vereinfacht nicht nur die Suche nach fehlenden Bruchstücken, sie stellt die Arbeitsgrundlage für die spätere Restaurierung dar. Auf diese Weise ließen sich bis heute mehr als dreißig Bildwerke identifizieren. Dazu gehören das Doppelsitzbild aus dem Kultraum, die große weibliche Grabfigur, vier der insgesamt sechs Monumentalplastiken vom Eingang des Westpalastes sowie mehrere große und kleine Reliefplatten.

   
 

Weiterführende Literatur

U. Dubiel – L. Martin, Stier aus Aleppo in Berlin. Bildwerke vom Tell Halaf (Syrien) werden restauriert, Antike Welt 3/2004, S. 40-43.

G. Elsen – M. Novak, Der Tall Halāf und das Tall Halāf-Museum, in: Das Altertum 40 (1994) 115-126.

N. Cholidis – L. Martin, Kopf hoch! Mut hoch! und Humor hoch! Der Tell Halaf und sein Ausgräber Max Freiherr von Oppenheim, Mainz 2002